Fans von Strategiespielen sind vermutlich schon einmal mit einem oder mehreren Civilization-Spielen in Berührung gekommen. Beim Spielen von Civ I bis VII fällt schnell der kleinere Namenszusatz im Titel auf: Sid Meier’s. Kaum ein anderes Spiel trägt den Namen seines Schöpfers so deutlich im Titel, ähnlich wie es bei Filmen mit dem Namen des Regisseurs der Fall ist, zum Beispiel: John Carpenter’s The Thing.
Meier zählt zu den bekanntesten und einflussreichsten Persönlichkeiten der Videospielbranche. Mit Civilization hat Sid Meier nicht nur ein Spiel erschaffen, sondern er hat damit auch den Grundstein für zahlreiche Prinzipien und Eigenschaften etabliert, die das Computer Strategiespiel Genre bis heute noch definieren. Doch wer ist dieser Mann denn eigentlich? Und wie haben Civilization und seine weiteren Spiele die Welt der Videospiele geprägt?
1954 in Ontario, Kanada, geboren, zog Meier als Kind nach Detroit in die USA und studierte später Informatik an der University of Michigan. Nach seinem Studienabschluss arbeitete er zunächst an der Entwicklung von Kassen für Kaufhäuser. Anfang der 1980er Jahre kam er mit seiner ersten Spielkonsole, einer Atari 800, in Berührung. Das war definitiv ein Schlüsselmoment, in dem ihm die kreativen Möglichkeiten der Spieleentwicklung bewusst wurden.
Meiers Werke der 1980er prägten die Spielewelt nachhaltig
Momente wie Meiers erste Atari 800 werden gerne übertrieben dargestellt. Dabei ist es wahrscheinlich aber so, dass er sich schon während seines Studiums oder Berufslebens mit Spieleentwicklung beschäftigt hatte. Fest steht: Mit der Gründung von MicroProse zusammen mit Bill Stealey widmete er sich der Entwicklung dann voll und ganz. Bereits 1982 entwickelten Meier und MicroProse in hohem Tempo Spiele für Atari und andere Plattformen. Einer der frühen Titel war Floyd of the Jungle.
In dieser Phase kam Stealey auf die Idee, Meier selbst als Marke zu etablieren – als eine Art kreativen Kopf hinter den Spielen. Mitte der 1980er-Jahre wurde Meier zunehmend in Werbekampagnen als das Gesicht von MicroProse präsentiert. 1987 folgte dann der erste große Titel, der seinen Namen im Titel trug: Sid Meier’s Pirates!. Eine bemerkenswerte Randnotiz: Laut Stealey stammt der Vorschlag für den „Sid Meier“-Namenszusatz angeblich von Schauspieler und Komiker Robin Williams, der die Idee bei einem gemeinsamen Abendessen ins Spiel brachte.
Dennoch stieg Meiers Stern danach aber immer weiter auf. Pirates! war sowohl ein kritischer als auch kommerzieller Erfolg und gewann wirklich zahlreiche Auszeichnungen. Es folgten weitere Veröffentlichungen von MicroProse, darunter Sid Meier’s Railroad Tycoon. Bereits in den frühen 1990er-Jahren wurden die Grundlagen für das gelegt, was als Nächstes kam.
Die Veröffentlichung von Sid Meier’s Civilization im Jahr 1991 markierte einen Wendepunkt in der Spielewelt. Es war eines der einflussreichsten Spiele der Geschichte und legte, wie bereits erwähnt, viele der Regeln für Strategiespiele fest. Auch wenn es schon Strategiespiele vor Civilization gab, war es Sid Meier, der die Einführung der 4X-Formel zum Leben erweckt hat: erkunden, expandieren, ausnutzen und exterminieren.
Wir werden allerdings nicht zu viel Zeit damit verbringen, über Civilization oder seinen Einfluss zu sprechen. Sein Erbe ist gut bekannt, und man könnte ein ganzes Buch darüber schreiben, wie es die Spielewelt beeinflusst hat. Es gibt jedoch ein Zitat von Sid Meier, das seine Philosophie perfekt zusammenfasst: „Ein Spiel ist eine Reihe interessanter Entscheidungen.“
Auch wenn es total einfach klingt, ist Meiers Philosophie das Fundament von Strategiespielen. Sie besagt, dass die Entscheidungen des Spielers im Mittelpunkt der Spielmechanik stehen sollten, während Aspekte wie Grafikdesign und komplexe Steuerung eine eher untergeordnete Rolle spielen. Diese Elemente sind natürlich wichtig, aber Meier ist der Ansicht, dass wahre Immersion durch bedeutungsvolle Entscheidungen entsteht.
Mit 71 Jahren ist Meier nach wie vor aktiv bei Firaxis (dem Nachfolger von MicroProse), das inzwischen von 2K Games übernommen wurde. Seine Arbeit bleibt beeindruckend, mit weiteren Titeln wie Sid Meier’s Starships und Sid Meier’s Ace Patrol, die unter dem 2K-Label erfolgreich wurden. Wer sich für die Philosophie und Geschichte von Videospielen sowie für die Magie interessiert, die die großen Spiele der 1980er- und 1990er-Jahre erschuf, dem sei seine Autobiografie wärmstens empfohlen. Wie sollte es auch anders sein: Der Titel ist Sid Meier’s Memoir!

